Das Jahresthema unserer Kirchgemeinde verbindet unterschiedliche Veranstaltungen miteinander. Unter dem Titel „lindengrün und moosseeblau“ laden wir dazu ein, Leben und Glauben nicht einseitig, sondern in ihrer Vielfalt wahrzunehmen und zu erleben.
Im Februar beginnen ein Gottesdienst, ein Meditationskurs, Kreativitätsnachmittage für Kinder und Erwachsene sowie ein Kurs zur christlichen Mystik. Diese Angebote sind zwar verschieden gestaltet, aber verfolgen dieselbe Absicht: Glaube ist nicht eindimensional. Er lebt von Nuancen, von Übergängen, von hellen und dunklen Tönen. Er ist farbig, lebendig und vielgestaltig.
Schon die biblischen Geschichten erzählen von sehr unterschiedlichen Glaubenserfahrungen: von Vertrauen und Zweifel, von Nähe und Ferne, von Klage, Hoffnung und Dank. Menschen begegnen Gott auf unterschiedliche Weise – damals wie heute. Auch in unserer Zeit gibt es nicht die eine Form des Glaubens. Es gibt viele Erfahrungen, Zugänge und Ausdrucksformen. Und das ist gut so.
An den beiden Abenden des Mystikkurses lassen wir uns von Hildegard von Bingen, Franz von Assisi, Mechthild von Magdeburg und Margarete Porete begleiten und tauchen in tief spirituelle Glaubensfragen ein. Ihre Texte und Erfahrungen führen in die Tiefe spiritueller Fragen: nach Gott, nach dem Menschen, nach Liebe, Freiheit und Hingabe. Sie zeigen eindrücklich, wie reich und facettenreich christlicher Glaube sein kann.
Gerade heute ist es wieder wichtig geworden, über diese verschiedenen Erfahrungen ins Gespräch zu kommen – und über die ihnen innewohnende und verbindende Kraft, mit der Menschen nach Sinn suchen und ihn auch finden. In einer Welt, die zunehmend von Verhärtungen und Polarisierungen geprägt ist, brauchen wir Räume, in denen wir einander zuhören und voneinander lernen. Glauben kann verbinden, wenn wir ihn nicht gegeneinander ausspielen, sondern miteinander teilen.
Darum wollen wir uns in unseren Veranstaltungen auf die persönliche und geschichtliche Vielfalt des Glaubens einlassen und daraus eine Perspektive gewinnen, die uns trägt und mit der wir uns gemeinsam, offen und hoffnungsvoll, in die Zukunft bewegen können. Denn das ist es, was wir brauchen: Kraft und Mut, weiterzugehen, ohne uns immer gleich verbessern und optimieren zu müssen, ohne stetig wirtschaftlich wachsen zu müssen und die Ressourcen auszubeuten. Wir brauchen Kraft und Mut, gemeinsame Wege zu finden, die auch eine Welt für alle und für zukünftige Generationen schafft.