Spazieren Sie auch so gern durch den Pfarrgarten wie ich? Fast jeden Morgen begleitet mich dieser Garten auf dem Weg zum Sekretariat ins Kirchgemeindehaus. Für mich ist er ein Ort der Ruhe und des Innehaltens. Ein Garten zum Verweilen, in dem sich Menschen begegnen und Kinder fröhlich umherspringen. Er ist mehr als nur ein Stück Grün zwischen Kirche und Kirchgemeindehaus.
Gerade weil mir dieser Ort so viel bedeutet, macht es mich traurig, wenn es dort zu Beschädigungen kommt. Dieses Mal hat es die Skulpturen getroffen, die Konfirmand*innen im Frühling 2022 im Rahmen eines Jugendgottesdienstes unter dem Motto «Gemeinschaft» gestaltet haben. Sie sind also nicht einfach Dekoration, sondern ein sichtbares Zeichen dafür, dass junge Menschen ihre Zeit, ihre Fantasie und ihr Engagement in unsere Gemeinschaft einbringen. Auf dem Aushang im Pfarrgarten wird klar benannt, dass die Steelen nicht versehentlich beschädigt wurden, sondern in der Nacht bewusst umgeknickt worden sind. Das trifft besonders, weil damit nicht nur Steine beschädigt wurden, sondern auch die Arbeit und die Freude der Konfirmand*innen.
Betroffen ist damit nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein Ort, der für Begegnung, Gemeinschaft und Respekt stehen soll. Wenn so etwas in einem Pfarrgarten geschieht, bleibt nicht nur ein sichtbarer Schaden zurück, sondern auch die Frage, wie wir miteinander umgehen wollen. Welche Spuren wollen wir hinterlassen? Wie bewahren wir Orte, die uns allen gehören?
Natürlich könnte man manches stillschweigend reparieren oder wieder aufrichten. Doch ist das wirklich die Lösung? Denn damit wäre das Eigentliche nicht ungeschehen gemacht. Beschädigt wird nicht nur Material. Verloren geht auch
etwas von dem Respekt gegenüber den Konfirmand*innen, die diese Skulpturen geschaffen haben und gegenüber all den Menschen, die sich um diesen Ort kümmern, ihn pflegen und mittragen.
Ich möchte nicht einfach nur verurteilen, sondern zum Nachdenken anregen. Der Pfarrgarten ist ein schöner Ort und er soll es bleiben. Ein Ort, an dem Gemeinschaft sichtbar wird und an dem Menschen nicht zuerst sehen, was beschädigt wurde, sondern was wachsen, entstehen und bleiben darf.
Janine Renggli, Verwaltungsangestellte